Durch den Bericht aus der Hand von Eduard Pinder (1836-1890), dem königlichen Direktor des Museum Fridericianum und Conservator des Vereins für hessische Geschichte und Landeskunde gibt es im Jahre 1878 einen Einstieg in die nordhessische Vorgeschichtsforschung, der vor Ort durch z. B. die Erwähnung des Wartberges bei Kirchberg großes Interesse weckt und in der Folgezeit Einfluss auch auf die allgemeine Bildung hat.

Gustav Kossinna verstärkt später mit seiner Methode dieses, damals in ganz Europa populäre, „vaterländische“ Geschichtsbild noch, und es ist sicher kein Zufall, wenn es besonders Lehrer sind, die zu den fleißigsten Verbreitern und Trägern der Vorgeschichtsforschung in der Zwischenkriegszeit (besonders nach 1933) werden, seien es 1936 angelesene Kenntnisse wie beim Mittelschullehrer Heinrich Blum aus Kassel (nach 1945 Lohne), der sogar eine Hessische Geschichte (im Heimatschollenverlag Melsungen) zustande bringt oder August Boley aus Großenritte/Dillich, der 1938 aus eigener praktischer Erfahrung schöpft, wobei ihm der Prähistoriker Wilhelm Jordan zur Seite steht. Beiden dient die offizielle NSLB-Zeitschrift „Kurhessischer Erzieher“ (1934-1939) als Medium.

Über die archäologischen, ornithologischen und heimatkundlichen Aktivitäten von August Boley, den man auch als „Nestor“ der Arbeitsgemeinschaft und damit des Museums bezeichnen kann, sind wir durch die Forschungen von Dr. Thilo Warnecke (s. Museumsgeschichte 2012) relativ gut unterrichtet. Inwieweit er sich über seine Tätigkeiten seit den 1920er Jahren auch selbst schriftlich geäußert hat, bedarf noch der Nachforschung in entsprechenden Archiven und Bibliotheken.

Aus dieser Vorkriegszeit finden wir in der Bibliothek unseres Regionalmuseums nach derzeitiger Kenntnis noch zwei weitere, unser unmittelbares Interessengebiet berührende Publikationen, die in eine Zeit fallen, in der er im regionalen NSLB tatsächlich eine Rolle spielte, die er aber nach unserer Kenntnis aber eher opportunistisch als ideologisch/politisch verstanden zu haben scheint. Es handelt sich einmal um eine in populärer Sprache verfasste Darstellung der nordhessischen Ur- und Frühgeschichte, wie sie dem Forschungsstand der Zeit entspricht (Hessische Schulzeitung, Kassel Nr. 3, 1934, S. 1-9, 6 Abb.) und um eine optisch und drucktechnisch aufwendigere, nach Art einer Zeitschrift oder Illustrierten veröffentlichte Publikation in Schwarz/Weiß- bzw. Braun-Druck, die auch neuartige Sichtweisen wie erste Schritte hin zur Luftbildarchäologie präsentiert (was durch die Nähe der Firma Fieseler in Kassel gar nicht so schwer scheint). Das ist sicher kein Zufall, denn eben zu dieser Zeit findet in Berlin der 1. internationale Kongress zu diesem Thema statt. August Boley belegt in diesem Heft durch seine Mitwirkung seine methodische Modernität.

Das Thema hat ihn natürlich nicht mehr losgelassen, es gab aber sicher Gründe, warum wir erst wieder nach einigen Jahren von ihm darüber lesen. Diesmal handet es sich um einen Beitrag aus der „Jubiläumsschrift Kurhessen-Waldeck. Land und Siedlung“. Herausgegeben von der Siedlungsgesellschaft Hessische Heimat Kassel im Oktober 1959. Er trägt des Titel „Die ersten Siedlungen im Chattenland“ und weist nur geringe Unterschiede (auch im Schriftbild) zum Wissensstand der Vorkriegszeit auf. Dagegen bildet sein Artikel „Das Kasseler Becken und seine Randgebiete in vorgeschichtlicher Zeit“ aus der Schrift „Rund um Kassel“ von ungefähr 1960 schon deswegen einen Fortschritt, weil er hier, gleich zu Beginn des Textes, auch den (damals noch für altsteinzeitlich gehaltenen) Fund des Schädels von Rhünda und die Quarzit-Artefakte aus dem Schwalmgebiet eingeht, die sein Kollege Luttropp seit vielen Jahren zusammengetragen hat. Inzwischen bereichern darüberhinaus auch seine Freunde von der Arbeitsgemeinschaft das Bild der niederhessischen Vorzeit.

Mit der Eröffnung 1956 gibt es immer wieder Publikationen, die entweder schon auf das Museum Bezug nehmen oder sogar direkt durch Mitarbeiter verfasst werden. Als eine erste ist uns bislang ein von Alfred Klisch wahrscheinlich nach 1956 erstellter Bericht zur Entdeckung der Elefantenreste in der Ziegeleigrube am Schladenweg in Fritzlar bekannt, der uns in gedruckter Form als „Bilder aus der Vor- und Frühgeschichte unserer Heimat“ vorliegt.

Zu den frühesten offiziellen Publikationen gehören die mindestens drei, überwiegend von Hans Heintel geschriebenen Hefte der im Selbstverlag hergestellten und in nur geringer Auflage vervielfältigten

Fundberichte der Arbeitsgemeinschaft für Ur- und Frühgeschichte Fritzlar,

die bis 1959 z. T. schon Aufsätze einer solchen Qualität erhielte, daß sie später in den offiziellen „Fundberichten von Hessen“ (ab 1961) in Wiesbaden erneut publiziert worden sind. Sie finden sich zwischen den professionellen Schriftsätzen studierter Prähistoriker bis 1964.

Im August 1968 gibt der Magistrat der Stadt Fritzlar unter dem Bürgermei-ster Emil Geismar eine Broschüre heraus, in der, neben den Hinweisen auf die Modernisierungsmaßnahmen der Nachkriegszeit, auch eine Seite dem neuen „Heimatmuseum“ gewid-met ist, wo auf dessen überregionale Bedeutung und seine Aufgaben in der Öffentlichkeit hingewiesen wird.

Als in der Zeit des beginnenden „Prager Frühlings“ in der Hauptstadt der damaligen Tschechoslowakei vom 21.-27. August 1966 der VII. Internationale Kongress der Vor- Frühgeschichtlichen Wissenschaften unter Leitung des seinerzeit bekanntesten tschechischen Archäologen Prof. Dr. Jan Filip abgehalten wird, gibt die Tschechoslowakische Akademie der Wissenschaften zugehörige Akten und ein zweibändiges Enzyklopädisches Handbuch heraus, in dem diese Fundberichte aus Fritzlar zweimal (SS. 378 und 380) erwähnt werden. Dieses Ereignis ist zugleich der Beginn einer Kooperation der betreffenden Institute in Marburg, Prag (Praha) und Brünn (Brno) aber auch des Fritzlarer Museums in diese Richtung. Hier haben sowohl zukünftige fachliche wie private Verbindungen ihre Wurzeln. Die Herkunft einiger Protagonisten des Museums aus dem Sudentenland spielen zunächst nur eine geringe Rolle, erleichtern dann aber die Entwicklung.

 

 

 

Es ist wohl kein Zufall, daß Dr. Norbert Wand im gleichen Jahr seinen Beitrag zur Erforschung der Römischen Kaiserzeit auch am Büraberg schreibt, der im Rahmen der „Festschrift Helmut Schoppa“ in den Fundberichten aus Hessen, wenn auch erst zwei Jahre (1974) später, erscheint. Die behandelten Funde bilden, z. T. unter großer Mühe von Egon Schaberick restauriert, einen nicht unwesentlichen Bestandteil der archäologischen Schausammlung in der Ur- und frühgeschichtlichen Abteilung im Hochzeitshaus.

 

 

 

Das Jahr des Hessentages bietet (mit dem Fritzlarer Museum durch Kooperation verbundenen) Archäologen und Historikern reichlich Gelegenheit ihre neuesten Erkenntnisse einer breiteren Öffentlichkeit bekannt zu machen. Dazu zählen der Landesarchäologe Dr. Rolf Gensen mit seiner Vorstellung der ersten Funde von Geismar-„Schleifsteg“, aus Kirchberg und aus dem adeligen Frauengrab auf dem Grundstück des neuen katholischen Kinderheimes „Haus Sonnenschein“. Dr. Norbert Wand referiert über seinen momentane archäologischen und historischen Kenntnisstand zum Büraberg und Dr. Friedrich Oswald stellt seine neuen Ergebnisse aus seinen letzten Ausgrabung in der Stiftskirche St. Peter („Dom“) vor. Die folgenden Aufsätze von Fred Schwind, Michael Gockel und Walter Schlesinger (alle Historisches Institut für hessische Landeskunde an der Universität Marburg) spielen für die Forschungen der nächsten Jahre und Jahrzehnte noch eine große Rolle spielen.

 
 

Nach dem Hessentag 1974, dem Neubau der Stadthalle (Abriss der Watterkaserne 1973) und der Vollendung der Gemeindereform nach den gesetzlichen Vorgaben von 1972, stand die Neuwahl des Bürgermeisters Reinhold Koch (seit 15. Juli 1970) an. Man wird sicher nicht ganz fehlgehen, daß die von ihm herausgegebene Broschüre „Fritzlar. Tradition und Fortschritt“ auch als ein Resüme seiner ersten Amtszeit zu verstehen sein kann. Für die Geschichte des Regionalmuseums Fritzlar ist die Angabe wichtig, daß der hessische Museumsverband (S. 10, Orthographie wie im Original) die Kosten des Innenausbaues für das „Schwerpunktmu-seum“ (!) übernommen hat. Die Beteiligung städtischer Gremien wird hier nicht deutlich.

 

 

Die durch die Neutrassierung der L 3383 nötig gewordenen Ausgrabung der 1955 von Fritz Rödde entdeckten Siedlungsstelle „Auf dem Schleifsteg“ ab 1973 hatte die Aufdeckung einer umfangreichen Siedlung zur Folge, die von der vorchristlichen Latènezeit bis in das Hohe Mittelalter reichte. In den ersten Jahren stand sie unter der unmittelbaren Leitung des Landesarchäologen Rolf Gensen und seines Grabungstechnikers Ernst Hendler in Marburg. Gewissermaßen als Resüme seiner Tätigkeit publizierte Gensen 1978 eine kleine Broschüre im Rahmen der neuen Reihe Archäologische Denkmäler in Hessen als Nr. 2, die dann im Jahre 2000 durch die gleichformatige Schrift seines Nachfolgers Andreas Thiedmann ersetzt wurde.

 

Seit dem Jahre 1967 erscheint im Wittich Verlag der „Wochenspiegel, Heimatzeitung der Stadt Fritzlar“, der nicht nur ein Organ für offizielle kommunale Verlautbarungen darstellt, sonder auch viel von örtlichen Journalisten, Literaten und Heimatforschern genutzt wird, die ihre Informationen, Gedanken und Forschungsergebnisse als Bildungsauftrag verstehen und repräsentieren. Zu den bekanntesten Texten gehören seinerzeit die stadtgeschichtlichen Schriftsätze des heimatkundlich versierten Bäckermeisters und Museumsvereinsmitgliedes Hans Josef Heer, der z. B. am 11. und 18. Mai 1978 „Auf den Spuren des Bonifatius“ wandelt und damit für seine und die folgende Generation einen gewissen Standard setzt. Seine Kenntnisse bilden in der Öffentlichkeit auch die Grundlage des sich entwickelnden Fremdenverkehrs/Tourismus.

Seit den späten 1950er Jahren betreibt der Pharmazeut Wilfried Blunck aus Hamburg die von seinem Vorgänger Böttrich übernommene „Löwenapotheke“ auf der Südseite des Fritzlarer Marktplatzes. Diese Einrichtung beruht auf einem Privileg, das in Epoche der zeitweiligen Vogteiherrschaft der hessischen Landgrafen zurückreicht. Das Gebäude steht auf einer Parzelle, die zur „Kurie in der Fischgasse“ gehört, dem Sitz eines Chor-herren, für den dieses den Zugang zum Markt-platz bildet. Im Zug von Modernisierungs-maßnahmen in den 1970er Jahren sieht der Apotheker den Anlass den langjährigen ev. Pfarrer Gerhard Bätzung um eine Chronik des Gebäudekomplexes zu bitten. Dieser schließt sein Manuskript ursprünglich am 15. Oktober 1977 ab, allerdings bevor Prof. Dr. Niederquell sein Werk über die Chorherren von Fritzlar veröffentlicht. Dennoch dürfte die Broschüre einen Standard für die Hausgeschichte von Fritzlarer Gebäuden bilden.

Der langjährige Kassenführer des Museumsvereins Fritzlar e. V. Gerd Wegener beschäftigt sich auch privat mit finanziellen Angelegenheiten, insbesonders hat es ihm das sog. „Notgeld“ nach dem 1. Weltkrieg (aber auch vor der Währungsreform) angetan, das in der wirtschaftlich chaotischen Zeit nicht nur in Fritzlar umlief. Einen Teil der Belege hierfür hat er selbst gesammelt, einiges findet er in den Sammlungsbeständen des Regionalmuseums, die später einmal ein Detail der Stadtgeschichte bilden sollen. Die Ergebnisse seiner Forschung gibt er 1979 weitgehend auf eigene Kosten heraus.

Um die Zwischenergebnisse der von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten, dann insgesamt von 1976-1985 laufenden Ausgrabungen im Gelände der Wüstung Holzheim bei Fritzlar zu publizieren, verfasst die Grabungsleitung einen Aufsatz für die Fundberichte aus Hessen 17/18, 1977/78, der aber erst im Jahre 1980 erscheint und den Bereich der Wirtschaftstrasse beschreibt. Er verweist auch auf die Vor- und Mitarbeiten der Arbeitsgemeinschaft Fritzlar und der Jugendlichen Arbeitsgemeinschaft Breuna unter Johannes Müller (heute Professor für Ur- und Frühgeschichte an der Universität Kiel).

 

 

Kunsthandlungen und Antiquariate haben in Fritzlar traditionell eher kein grosses und dauerhaft anhängliches Publikum, obwohl eine wirtschaftliche und auch kulturelle Basis dafür hier eigentlich existiert. Von Zeit zu Zeit gibt es aber immer wieder Versuche durch spektakuläre Aktionen doch etwas in dieser Richtung zu bewegen. Dabei spielt die „Hochschule für bildende Kunst“ (heute ein Teil der Gesamtschule Kassel) und ihr Dunstkreis, der weit in den Schwalm-Eder-Kreis hineinreicht, eine nicht zu unterschätzende Rolle. So veranstaltet die zeitweilig sehr aktive „Galerie Augenblick“ in Zusammenarbeit mit der Stadt und dem Regionalmuseums Fritzlar im August 1981 eine gewisses Aufsehen erregende Ausstellung, an der mehr als 40 Künstler aus Nord- und Oberhessen teilnehmen. Dazu erscheint ein kleinformatiger aber sehr qualitätvoller Katalog.

 

Die vom Römisch-Germanischen-Zentralmuseum (RGZM) herausgegebene populäre Reihe Führer zu vor- und frühgeschichtlichen Denkmälern findet mit den Bänden 50-52, die sich mit archäologisch wichtigen niederhessischen Fundplätzen befassen, im Jahre 1982 ihren vorläufigen Abschluss. Hier wird zum ersten Mal die Geschichte archäologischen Forschung des Gebietes, das man später auch als „Hessen-Kassel“ („Kurhessen“) kennt in übersichtlicher Weise dargestellt, wobei auch die verwaltungstechnische Entwicklung nicht ausgespart wird. Es folgen Darstellungen zur Geologie und Landschaftentwicklung durch den RGZM-Direktor Dr. Kurt Weidemann (der in Obermöllrich geboren wurde) und zur Alt- und Mittelsteinzeit von Dr. Lutz Fiedler, der neben den bekannten Fundstellen im Schwalm- un im Diemelgebiet auch die Aktivitäten der Ur- und frühgeschichtlichen Arbeitgemeinschaft in und um Fritzlar sowie Gudensberg berücksichtigt, wobei namentlich Conrad Hohmann und Egon Schaberick erwähnt werden. Auch die Jungsteinzeit, von Dr. Irene Kappel verfasst, kommt ohne die Aktivitäten in Bad Wildungen und Fritzlar nicht zu kurz. Das gilt ebenso für die eisenzeitlichen Epochen, über die Adrianne Hahner M.A. einen Beitrag liefert. Prof. Gerhard Mildenberger schöpft dann aus seinen Kenntnissen auch der Fritzlarer Forschungen im Gebiet einschließlich der neuesten Geismarer Ergebnisse. Kurt Weidemann bleibt dann eine Zusammenfassung des aktuellen Wissensstandes über das Frühmittelalter (vor der Grabung in +Holzheim). Dabei bildet das, auch im Titel präsentierte, von Klaus Sippel und Holger Göldner erschlossene Häuptlingsgrab in Niedenstein-Kirchberg einen gewissen Höhepunkt mit neuen Fragestellungen.

 

In den Jahren 1974 bis 1976 arbeitet J.-H. Schotten zur Unterstützung der Publikation von Norbert Wand über seine Büraberg-Ausgrabungen (s. o.) im Landesmuseum Kassel als Volontär, wobei er, zunächst unter der Leitung von Dr. Joseph Bergmann, darüberhinaus zahlreiche weitere Aufgaben erfüllt. So führt er die Inventarisierung des prähistorischen Fundmaterials fort und betreut archäologisch interessierte Jugend-gruppen sowie andere Sammler. In Vorbereitung auf seinen eigenen Studienabschluss trifft er auch auf die Aktivitäten der Arbeitsgemeinschaft Bad Wildungen, deren Schwerpunkt auf der Erschließung der eisenzeitlichen Siedlungslandschaft im mittleren Edertales liegt.

Da sich beim damaligen Forschungsstand eine sowohl epochale wie geographische Eingren-zung abzeichnet, wählt er dieses Thema, das er bis 1982 nach denkmalpflegerischen Maßstä-ben bearbeitet (Katalog). Das überwiegend keramische Material läßt sich formtypisch, zeitlich und funktional gliedern und gewährt auch einen Einblick in die handwerklichen Strukturen der Zeit. Darüberhinaus gelingt auch die innere Gliederung einer offenen Siedlung und mehrerer Gräberfelder sowie die Untersuchung siedlungsgeographischer Be-dingungen in diesem Raum überhaupt. Trotz ihres Umfanges (ca. 3000 Seiten in 5 Bänden) wird die Arbeit akzeptiert und mit „cum laude“ bewertet. Da sich eine fachliche Dokumen-tation noch nicht absehen läßt, werden auch die gerade erschlossenen eisenzeitlichen Grabfunde aus Geismar miteinbezogen. (s. a. fritzlar-forschungen.de/Archäologie)

Als im Jahre 1984 der langjährige Leiter des vorgeschichtlichen Seminars in Marburg und eifriger Förderer der Ur- und frühgeschicht-lichen Sammlungen in Fritzlar Prof. Dr. Wolfgang Dehn (1909-2001) seinen 75. Geburtstag feiert, veröffentlichen seine Nachfolger Proff. Drr. Otto-Hermann Frey und Helmuth Roth im eine Festschrift, in der auch ehemalige Schüler ihm ihre neuensten Forschungsergebnisse widmen. Darunter befindet sich auch ein Aufsatz aus der Hand von Johann-Henrich Schotten über einen bemerkenswerten keltenzeitlichen Siedlungs-fund aus der Wüstung Holzheim bei Fritzlar , an dessen Ausgrabung auch Mitglieder der Arbeitsgemeinschaft, Schüler und Studenten aus der Stadt beteiligt waren. Eine besondere Fibel (Heftel = „Sicherheitsnadel“), die später für eine ganze Fundgruppe namengebend wird, stammt aus diesem Objekt und bildet an-schließend einen besonderen Schmuck der Vitrine zur Eisenzeit in der Schausammlung im Hochzeitshaus.

 

 

Zu den Dissertationen, die in Zusam-menhang mit den Ausgrabungen 1973-1980 in der Flur „Auf dem Schleifsteg“ in Fritzlar-Geismar ent-standen, gehörte auch eine Arbeit zu Merkmalen und Fundkomplexen von Keramik aus der römischen Kaiserzeit (1. Jh. v. bis 4. Jh. n. Chr.). Der bekannten Formenarmut dieser Epoche und die der Qualität der Befunde in Geismar hatte sich der Autor Robert Heiner auf eine sehr neuartige Art und Weise mit naturwissen-schaftlicher Hilfe und den Möglichkeiten der Statistik angenommen. Es entstand dadurch ein sehr denkwürdiges Werk, das bislang unbekannte Wege in der vorge-schichtlichen Forschung aufzeigte. Heiner gehörte damit zu einer Gruppe von Archäo-logen, die seit den 1970er Jahren den Einfluss der sog. MINT-Fächer auf das eigentlich bislang geistesgeschichtliche Forschungsgebiet ausweiteten .

 

Seit 1983 erscheint in der 2. Staffel popu-lärwissenschaftlicher archäologischer Publikationen für das ganze Gebiet der Bundesrepublik die Reihe Führer zu archäologischen Denkmälern in Deutschland. Band 8 im Jahre 1986 heisst „Der Schwalm-Eder-Kreis“. Hierin spielen Fritzlar und seine Umgebung wie z. B. der Domschatz (Dr. Rolf Gensen), das Regio-nalmuseum (aus der Hand Hans Heintels), Steinkammergrab und Hasenberg bei Lohne, die Ergenisse der Grabung Geismar, der Wartberg bei Kirchberg, die Forken-burg bei Wehren (Gensen) und der Menhir von Werkel (Dr. Irene Kappel) eine Rolle. Auch Obervorschütz, der Odenberg bei Gudensberg, der Menhir von Maden, das Heimatmuseum Gensungen und andere, für den archäologisch interessierten Touristen interessante Objekte werden vorgestellt. Die besprochenen Exkursionen führen auf den Büraberg und zur Wüstung +Holzheim, womit der aktuelle Stand der Forschung berücksichtigt ist.

 

Veröffentlichungen der Stiftung Museum Fritzlar:

In den Jahren 1985-1987 war die Kulturwissenschaftlerin Frau Ruth Stummann-Bowert im Regionalmuseum über ABM-Verträge beschäftigt. Während ihrer Zeit gelangten die Nachlässe der Künstler Hans Otto (Maler und Zeichner) aus Bad Zwesten und Richard Guhr (Maler und Bildhauer) aus Dresden endgültig in den Bestand der Sammlungen. Die Autorin erschloss und inventarisierte die Werke und verfasste im Auftrag der Stiftung Museum Fritzlar umfangreiche Broschüren. Die Drucklegung war finanziell nur möglich, weil Dr. Johann-Henrich Schotten auf eigene Rechnung einen Amstrad/Joyce-Rechner 9512 mit Festplatte anschaffte auf dem dann die ABM-Kraft Christa Gebhardt die Schreibarbeiten mit LocoScript erledigte.

Nr. 1) Ruth Stummann-Bowert: Stationen. Hans Otto. Maler und Graphiker1900-1966. (Fritzlar 1987).

Nr. 2) Ruth Stummann-Bowert: Ein Leben für Richard Wagner. Richard Guhr. Maler und Bildhauer 1873-1956. (Fritzlar 1988).

 

Aus der Hand des Stadtarchivars Clemens Lohmann M.A. stammt eine großformatige und reich wie farbig bebilderte Darstellung der Fritzlarer Geschichte aus dem Jahre 1987, die durch ihre anschauliche Gestaltung bei den einheimischen Einwohnern wie ihren Gästen sehr populär und kommerziell erfolgreich wird und viele folgende veröffentliche Publikationen zum Thema beinflusst.

Dem Hochzeitshaus ist ein eigener Abschnitt gewidmet, in dem aber nur kurz auf die zum Museum (seine Stellung für die Region bleibt unerwähnt) gehörenden Gebäude und die Sammlungen eingegangen wird (s. 37).

Im Jahre 1989 gibt Klaus Sippel mit den „Beiträgen zur Archäologie mittelalterlicher Kirchen in Hessen“ eine Sammlung von Aufsätzen mehrerer Autoren zum Thema heraus. Darunter befinden sich er selber, Norbert Wand und Ulrich Weiß, die über die Ausgrabung der St. Thomas Kirche in +Holzheim berichten. In einem der Artikel referiert J.-H. Schotten seine damaligen Ausgrabungen in der Wochensakristei der Stiftskirche St. Peter zu Fritzlar im Jahre 1977, S. 11-39 (s. o. Museumsgeschichte 1977)

I

 

Die Ergebnisse der archäologischen Großgrabung in Fritzlar-Geismar sollen ursprünglich in Gestalt von 3 Dissertationen vorgelegt werden. Die erste von Robert Heiner, die sich mit dem kaiserzeitlichen Fundmaterial beschäftigt, ist 1985 abgeschlossen (s. o.). Im Jahre 1990 legt Werner Best sein Werk über die Völkerwanderungs- und Merowingerzeit vor. Der zeitliche Bereich zum Früh- bis Hochmittelalter wird vom damaligen Autor nach einiger Zeit abgebrochen und findet erst mit den jüngsten Untersuchungen von Andreas Thiedmann im Jahre 1990 seinen vorläufigen Abschluss (s. u.), der auch die Befunde planmäßig erschließt.

 

Ende der 1980er Jahre beginnt man in der deutschen Vorgeschichtsforschung ein gewisses Resüme der landesarchäologischen Aktivitäten der Bundesrepublik zu ziehen. Neben den Bänden für Bayern, Baden Württemberg und Nordrhein-Westfalen erscheint dann im Jahre 1990 auch das untenstehende Werk, das unter der Federführung des hessischen Landes-archäologen Fritz-Rudolf Hermann und des Münsteraner Professors Albrecht Jockenhövel den Stand der Dinge präsentiert. Einige Abschnitte, wie die Forschungsgeschichte, unter-scheiden sich eigentlich nicht stark von der Publikation von 1982, durch den Bezug auf das ganze Bundesland Hessen gerät dieser Abschnitt aber erheblich umfangreicher. Für die Alt- und Mittelsteinzeit hat Lutz Fiedler nun einiges mehr zu berichten, und die andren Epochen werden sämtlich durch Jockenhövel dargestellt. Der entscheidende Unterscheid besteht aber in der Zufügung eines topographischen Teils, der nach Art eines Nachschlagwerkes viele Fundplätze alphabetisch auflistet. Der Raum Fritzlar findet dabei immerhin 15 mal eine angemessene Erwähnung, was überwiegend in den Aktivitäten der Ur und frühge-schichtlichen Arbeitsgemeinschaft und die zentrale Funktion des Regionalmuseums seine Ursache hat.

 

Der heutige Fritzlarer Ortsteil Züschen gehört bis zur Gemeindereform in den frühen 1970er Jahren zum Kreise Waldeck und verfügt über ein Stadtrecht. Der langjährige Bürgermeister bzw. Ortsvorsteher verfasst darüber 20 Jahre später eine Ortgeschichte, die er im Dezember 1992 bezeichnenderweise noch bei der waldeckischen Druckerei Bing in Korbach herstellen läßt. Der schmale Band schildert die wechselvolle Geschichte zwischen Hessen und Waldeck, die sich auch an einem mehrhundertjährigen Besitz einer örtlichen Burg- oder Hofanlage der hessischen Ritterfamilie von Meysenbug festmachen lässt. Mit dem Industriellen Wilhelm Garvens aus Hannover, der wenige Jahre vor seinem Tode vom waldeckischen Fürsten noch geadelt wird, zieht aber die Moderne in die Gemeinde ein.

 

 

Marianne Schrammel, als Chemielaborantin von zu Hause aus auch mit naturwissenschaftlichen Denken vertraut, entwickelte sich zusammen mit ihrem Mann, Otto, der in Borken tätig war, zu einer kompetenten Hobby-Mineralogin, die ihr Wissen auch in die Heimat- und Landesforschung einbrachte. Ihre jahrzehntelange Arbeit im Regionalmuseum Fritzlar seit 1971 führt sie auch zu historischen Fragen wie z. B. die wirklichen Bestandteile des bekannten Heinrichskreuzes im Domschatz von St. Peter wie auch zur Herkunft und zur Qualität des sog. „Edergoldes“ aus der geologischen Perm-Formation (250 Mill. Jahre), des Rheinischen Schiefergebirges, das seit der vorchristlichen Eisenzeit bis zur Gegenwart immer wieder eine Rolle spielt. Ihre wissenschaft-liche Korrespondenz mit Kollegen reicht bis in den böhmischen Raum. Im Jahre 1996 stellt der Geschichtsverein Fritzlar e. V. ihre Broschüre der Öffentlichkeit vor.

 

 

 

 

Nach der gelungenen Ausstellung „Fritzlar im Cartoon“ von Jochen Müller im Patrizierhaus von Januar bis April 2001 waren sich der Museums- und der Geschichtsverein einig, dass nach Beendigung der Ausstellung der größte Teil der Zeichnungen veröffentlicht werden sollte. Als Sonderband des Geschichtsvereins liegt nun ein etwas anderer Stadtrundgang – nicht nur für Touristen – vor. Das „wo es ist“ kann anhand des Stadtplanes nachvollzogen werden, das „wer es ist“ wird wahrscheinlich ein kleines Geheimnis des Autors Jochen Müller bleiben.

Dr. Norbert Balli (1. Vorsitzender)

Nach Erdarbeiten hinter dem von ihm bewohnte Haus Schildererstraße 4, dessen Grundstück auch an das „Lierloch“ angrenzt, findet Manfred Ochs Reste einer Färberwaidküpe, die er zum Anlass nimmt, der Rolle dieses Berufsstandes in Fritzlar nachzugehen. Dabei behandelt er auch die Geschichte der Familie Münzer, die über eine Waidmühle, ein nicht unbeträchtliches Vermögen und sogar über einen steinernen Wohnturm verfügten, den sie dem Kloster Haina verkauften, wo er im Erdgeschoss des Hochzeitshauses noch zu erkennen ist. Auch über die technischen Details des Färberwesens berichtet er, ob allerdings die Interpretation seines archäologischen Fundes von Dauer ist, wird die Zukunft erweisen.

 

Auf der Grundlage des von ihm bereits 1982 veröffentlichten Buches „Der Dom“ gibt der ehemalige Dechant Monsigore Ludwig Vogel im Dezember 2002 noch einmal einen aktuellen Kunstführer heraus, den er nun auch um die die Denkmäler der Stadt erweitert, deren Geschichte er, nach neuerem Forschungsstand, Revue passieren läßt.

Für das Hochzeitshaus, als größtem erhaltener Fachwerkbau Nordhessens, konstatiert er die umfangreichsten Sammlungen zu Ur- und Frühgeschichte Nordhessens zwischen Kassel und Frankfurt (S. 70).

Im Jahre 1999 wird eine am Meydeweg gelegene Scheune abgerissen, um einem Neubau Platz zu machen. Jürgen Kneipp erhält den Auftrag eine archäologische Voruntersuchung durchzuführen und entdeckt dabei u. a. Reste einer fundamentierten, gemörtelten Basaltmauer, die einst wohl die Pfalz Fritzlar im 10. bis 11. Jahrhundert nach Norden abgegrenzt hat. Diese Ergebnis führt über 15 Jahre später (s. u.) zur Erschließung der Gesamtanlage, die er mit Johann-Henrich Schotten zusammen im Eigenverlag veröffentlicht, nachdem sie bereits im gleichen Jahr im Europäischen Correspondenzblatt für interdisziplinäre Castellologie Band 3, Marburg, publiziert worden war.

Der 500. Geburtstag des Landgrafen Philipp von Hessen (1505-1567) gibt Anlass für zahlreiche Veranstaltungen und Gedenken. Im Regionalmuseum wird im Mai 2005 eine Wanderausstellung eingerichtet, es folgen Vorträge über den Potentaten und seine Familie (s. Museumsgeschichte 2005). Der Pfarrer i. R. Paulgerhard Lohmann, der seit einigen Jahren mit seinen Angehörigen in Fritzlar wohnt und auch durch seine Untersuchungen zu den Fritzlarer Juden bekannt geworden ist, hält bereits im März 2004 einen Vortrag zu anstehenden Jubiläum, den er zu einer umfangreichen Untersuchung zur Reformation und Gegenreformation (1521-1648) in der Stadt ausweitet und publiziert.

 

 

Das zugerige Plakat nach einem Entwurf von Jochen Müller regte die ehrenamtlich tätige Mitarbeiterin Marlies Heer zu einer kleinen Erzählung an, die sie auf eigene Kosten als Broschüre herausbrachte. Dieses Heft fand bei Besuchern der Ausstellung und den Teilnehmern der anschließenden Kinderkurse einen großen Anklang.

 

Im Juni 2006 veröffentlichte der damalige wissenschaftliche Leiter des Regionalmuseums Fritzlar Dr. J.-H. Schotten eine Neufassung des Führers zu den archäologischen Funden der Sammlung, die in den 1970er Jahren Dr. Joseph Bergmann vom Landesmuseum Kassel (s. o.) erstmals beschrie-ben hatte. Abgesehen von kleineren Textpassagen handelte es sich dabei um eine völlig neue Darstellung nach dem aktuellen Kenntnisstand. Zeit. Die abschließende Zeittafel steuerte der Prähistoriker Dr. Thilo Warnecke aus Ahnatal bei.

 

Nach den letzten Grabungen von Prof. Dr. Norbert Wand, Mainz, im Jahre 1995, den Neuuntersuchungen von Prof. Joachim Henning und Thorsten Sonnemann, Frankfurt, um die Jahrtausendwende sowie den Untersuchungen durch Dr. Andreas Thiedmann, Marburg, ab 2002 ergeben sich nach den vom Bauforscher Hans Michael Hangleiter initiierten C14-Untersuchungen anscheinend völlig neue Aspekte zur Baugeschichte der Kapelle, die nach den Untersuchungen von Jan Fornfeist 2008/2009 (2011) dann aber auch 2008 keine endgültige Befriedigung finden (s. u.). Dr. Johann-Henrich Schotten spielt in seinem Beitrag bereits auf neue Möglichkeiten zur Datierung der Gesamtanlage und ihrer Geschichte an.

 

 

Die Betreiber der im 1. Jahrzehnts des 21. Jahrhunderts sehr populär werdende Reihe des Sutton-Verlages in Erfurt (ursprünglich das start up-Unternehmen eines aus England stammenden Verlegers) bemühen sich seit etwa 2005 auch um eine Dokumentation historischer Photographien aus Fritzlar. Der eigenliche Ansprechpartner ist zunächst der Stadtarchivar Clemens Lohmann M.A., der sich wohl aber aus zeitlichen Gründen außer Stande sieht, dieses Projekt anzugehen. Auch der wissenschaftliche Leiter des Regionalmuseums Fritzlar fühlt sich zunächst nicht wirklich angesprochen, gibt dann aber dem Drängen des Verlages nach und stellt aus dem museumseigenen Bildarchiv eine kommentierte Auswahl zusammen, die er nach Epochen und/oder Sachgebieten gliedert. Die zugehörigen Recherchen sind sehr arbeitsintensiv und zeitaufwendig, bisweilen muss er mit widersprüchlichen Informationen umgehen, die -nach dem Verkauf der ersten 1000 Stück- in der 2. Auflage geklärt werden sollten, was dann aber leider noch nicht geschah. Dennoch bildet der Band eine weitgehend zuverlässige Zusammenstellung der Photogeschichte von Fritzlar nach dem Kenntnisstande von 2010.

Das 150jährige Gründungsjubiläum des Turn- und Sportvereins gibt dem Vorstand die Gelegenheit einmal die Geschichte Revue passieren zu lassen. Insbesonders der Arbeitskreis für die Festschrift aus Wilfried Aubel, Horst Placzek und Helmut Zinn forscht eifrig sowohl im Stadtarchiv als auch in den Bibliotheken des Regionalmuseums, vor allem im Patrizierhaus, wo ein großer Teil der Bestände der Fritzlarer Lokalpresse seinerzeit durch Ludwig Köhler und Egon Schaberick geborgen und gesichert worden ist.

 

Der Student der Vor- und Frühgeschichte in Marburg Daniel Buhl aus Jesberg absol-viert im Jahre 200X erfolgreich ein Prakti-kum im Regionalmuseum Fritzlar und ist dort überwiegend in der archäologischen Abteilung und der Bibliothek beschäftigt. Zum Abschluss fragt er den wissenschaft-lichen Museumsleiter, ob er ein regionales Thema für seine Magister-Arbeit wüsste. Dieser erinnert sich an die Aktivitäten von Johannes Herdmenger aus Gudensberg während der Vorkriegszeit in Niedenstein-Metze, die nie richtig aufgearbeitet worden waren. Prof. Dr. Andreas Müller-Karpe, der im Vorgeschichtlichen Seminar diese Arbeit betreuen soll, ist wegen der damaligen Vor-kommnisse zwischen Herdmenger und dem Institut zunächst nicht sehr begeistert, lässt dann aber das Thema zu, das Buhl auf eine sehr gründliche und originelle Art angeht und erfolgreich abschließt.

 

 

 

 

Als Burkhard Niebert, der eigentlich seinen Lebenunterhalt am Gebietsrechenzentrum in Kassel verdiente, vor über 60 Jahren begann sich autodidaktisch in die klassische Land-schafts- und Genremalerei einzuarbeiten, war nicht abzusehen, daß er einst über 1000 Öl-gemälde schaffen würde, die ihm dann einen überregionalen Ruf bescherten. Zu seinen Lieblingssujets gehören traditionelle Archi-tekturen, z. T. heute nicht mehr erhalten, die er in geradezu denkmalpflegerische Weise in ihrer Umgebung dokumentiert und damit viel heimatgeschichtliches Verständnis bei seinen Beschauern erweckt. Der Künstler präsen-tiert im Laufe der Jahre seine Werk in vier Ausstellungen des Regionalmuseums und erntet dort, auch von Fachpublikum, viel mit Recht verdienten Beifall (s. kunstmaler-niebert.de).

Die Ausgrabungsergeb-nisse der letzten Jahre in Würzburg, auf der Büraburg und in Erfurt sowie anderen Plätzen, die man traditionell mit dem Leben und Wirken des Hl. Bonifatius ver-bindet, werfen so viele Fragen auf, daß die dies-bezüglichen Schriftquel-len einer neuen sorgfäl-tigen Analyse zu un-terziehen sind. Dabei fällt auf, daß die Vereh-rung des sog. „Apostels der Deutschen“ erst ca. 250 Jahre nach seinem Tode beginnt, und es da-zwischen praktisch so gut wie keine Erwäh-

nung gibt. Das macht misstrauisch, und tat-sächlich stören sich Mittelalterhistoriker schon länger an den Ungereimtheiten in der vita und seinen Briefen. Der Autor schließt nicht aus, daß die legenden-hafte Tätigkeit ihren Ursprung in Wirklich-keit einem politischen Hintergrund angesichts des Aufstiegs der Otto-nen und dem ergeizigen Machtstreben zwischen Krone und Tiara sowie Rom und Byzanz im Lau-fe des 10. Jahrhunderts verdankt. (s. a. fritzlar-forschungen.de/Kirchengeschichte)

 

 

Frau Marianne Schrammel hat sich während ihrer Zeit als Leiterin der Geologisch-mineralogischen Abteilung im Regionalmuseum über viele Jahre mit dem „Heinrichskreuz“ und seinem Dekor beschäftigt. Den historischen Hintergrund beleuchtete nun der ehem. Stadtarchivar und Aktive des Museumsvereins Clemens Lohmann M.A., der diese Pretiose mit vor allem politischen Argumenten aus dem Umfeld der Kaiser dieses Namens im 11. Jahrhundert in das der Mainzer Erzbischöfe um 1100 bzw. der Synoden von 1115 und 1118 stellt. Dr. Jürgen Kämpf, der als Kaplan in Fritzlar tätig war, behandelt den theologischen, sprituellen aber auch kunsthistorischen Hintergrund dieser Prachtkreuze überhaupt. Damit dürften auf viele Jahre hinaus die Fragen zu diesem Kunstwerk zunächst beantwortet sein.